Bruno House

Das Bruno House hat nur eine schmale Fassade zur Strauss Straße mit 6 Fenstern und drei auskragenden Balkonen. Das Wohnhaus wurde 1933 vom Architekt Ze'ev (Wilhelm) Haller mit drei Geschossen erbaut. Es diente als Wohnhaus für die Lehrer der Balfour Schule gegenüber. Auftraggeber war Bruno Boaz und Josef Schwabe von der Tel Aviv Building Company. Das Gebäude ist daher auch als Boaz-Schwabe-Haus bekannt. Wilhelm Haller wurde in Gleiwitz (Schlesien) geboren, studierte an der Bauschule Zittau und an der TU Darmstadt. Er arbeitete in Breslau, Frankfurt am Main und Leipzig in verschiedenen Architekturbüros bevor er 1914 ein eigenes Architekturbüro eröffnete. Nach der Machtergreifung von Adolf Hitler 1933, zog Haller nach Tel Aviv.

2004 wurde das Bruno Haus von Bar Orian Architects saniert und aufgestockt. Die neuen Etagen befinden sich im hinteren Gebäudeteil und sind von der Straße nicht auffällig. Dadurch blieb der ursprüngliche Charakter des Gebäudes von dieser Seite erhalten.  

Poli House

An der Kreuzung Allenby Street/King George Street stehen zwei Bauhaus Gebäude die durch ihre runde Form und das Flugdach einen Platz bilden, an dem der berühmte HaCarmel Markt beginnt. Die Allenby Street ist nicht nur eine bedeutende Einkaufsstraße, sie teilt Tel Aviv auch in zwei unterschiedliche Zonen. Südwestlich befindet sich ein gerasterter Stadtgrundriss mit engen, dicht bebauten Gassen, während nordöstlich die Gartenstadt mit begrünten Vorgärten beginnt.

Das Poliashuk House auf der rechten Seite wurde 1934 von Shlomo Liaskovski und Jacob Orenstein errichtet. Das Gottgold House auf der linken Seite wurde 1938 gebaut und von Yehuda Magidovitch entworfen, der auch das Esther Cinema am Dizengoff Platz entwarf. 

Das Poliashuk House wurde als Bürogebäude geplant und dient heute als Hotel. Es wird als Poli House vermarktet und beherbergt ein exklusives Design-Hotel mit Dachterrasse. Das Haus auf der anderen Straßenseite war 2019 noch nicht saniert.

Levy House

Auf dem schmalen Grundstück zwischen Levanda Street und HaRakevet Street steht ein Wohnhaus von Shimon Hamadi Levy. Das Levy House schneidet wie ein Dampfer durch die Straßen von Tel Aviv. Das Gebäude wurde 1934 errichtet und hat an der schmalsten Stelle einen Aufsatz, der wie die Brücke eines Schiffs aussieht. Am Bug und am Heck des Gebäudes gibt es abgerundete Balkone, die wie eine Reling wirken. 

Acum House

Das Acum House unterscheidet sich von den anderen Bauhaus Gebäuden am Rothschild Boulevard durch die offenen Balkone. Die Balkone bestehen aus einer auskragenden Betonplatte und horizontalen Geländerstäben. Dieses Detail kommt auch am Bauhaus in Dessau vor. Das Gebäude von Yitzhak Rapoport (1901-1990) besteht aus drei Teilen, einem niedrigeren Wohnbereich, dem vertikalen Treppenhaus in der Mitte und einem etwas höheren Wohnbereich. Das Treppenhaus hat neun schmale Fenster, jedes dieser Fenster hat ein eigenes, kleines Sonnendach. Dadurch wird das Treppenhaus zum auffälligsten Detail des Hauses. Der höhere Wohnbereich wird durch einen horizontalen Balken abgeschlossen, der früher als Unterkonstruktion für Sonnenschutz-Lamellen diente. Dieser Balken geht nicht bis zum Rand des Gebäudes sondert hört mit der Außenkante der Fenster auf. Normalerweise zeichnet ein solcher Balken die Kubatur des Gebäudes nach und schafft einen Übergang zwischen dem weißen Bauwerk und dem blauen Himmel. 

Das Acum House wurde nach der Vereinigung von Autoren und Musikern benannt, die das Gebäude zwischen 1962 und 2002 als Büro nutzten. Ursprünglich wurde das Haus 1933 für die Familie Rapoport errichtet. Damals hieß es Sarah House, benannt nach der Ehefrau des Besitzers. Der hintere Gebäudeteil hatte ursprünglich zwei Obergeschosse und wurde bei der Renovierung aufgestockt.

Delfiner House

An der Ecke Jehuda Halevi / Mazeh Street steht das Delfiner House von Ze'ev Haller aus dem Jahr 1934. Das Delfiner House ist ein Musterbeispiel für die Bauhaus-Architektur in Tel Aviv. Das dreigeschossige Wohnhaus besteht aus 4 horizontalen Fassadenbändern, hinter denen sich die Balkone und die Attika befinden. Die horizontalen Bänder werden nur durch ein typisches "Thermometer-Treppenhaus" durchbrochen. Der Übergang von Balkon zur Fassade wird durch runde Ausbuchtungen der Balkone markiert. Die Gebäudeecke wird durch die Rundung der Balkone gebildet und von zwei Palmen betont. 

Das Delfiner House gehört zum UNESCO Welterbe "White City" Tel Aviv und hat hohe Denkmalschutzauflagen. Das Gebäude wurde bei der Sanierung 2015 nicht aufgestockt und ist sehr gut erhalten.

Jacobson's Building

Das Jacobson's Building wurde 1937 von Architekt Emanuel Halbrecht errichtet und 2012 von Nitza Szmuk Architekten saniert und erweitert. Das Jacobson's Building fällt durch seine elegante Formensprache und seine hochwertigen Materialien auf. Im Erdgeschoss befinden sich Geschäfte und Büros, in den oberen Etagen Wohnungen. Ursprünglich wurde das Haus als Bürogebäude entworfen. Emanuel Halbrecht hat die Baumassen geschickt gegliedert und eine sehr elegante Gebäudeecke geschaffen, die durch ein vertikales Treppenhaus und einen niedrigeren, abgerundeten Baukörper entsteht. Der Übergang zwischen Natursteinsockel und Putzfassade wird durch auskragende Vordächer betont. Das Treppenhaus hat schwarze Metallgeländer, einen Terrazzoboden und gelbe Wandfliesen, die nach einer schwarzen Leiste in den weißen Putz übergehen.  

Haaretz Print Works

Die Haaretz Druckerei wurde 1937 von Salman Schocken gekauft, der durch Kaufhäuser in Deutschland reich wurde. Besonders das Kaufhaus Schocken in Stuttgart von Erich Mendelsohn erlangte architektonische Bedeutung. Salman Schocken emigrierte 1935 nach Palästina, die Schocken Kaufhäuser in Deutschland wurden arisiert und Teil der Merkur AG. Nach dem Krieg bekam er 51% der Anteile der Merkur AG zurück, die er an Horten verkaufte. Haaretz "Das Land" ist eine der bedeutendsten Tageszeitungen in Israel und immer noch im Besitz der Familie Schocken.

Die Haaretz Druckerei wurde 1934 von Joseph Berlin und seinem Sohn Zeev errichtet. Joseph Berlin (1877-1952) hatte in Odessa studiert und in St. Petersburg gearbeitet, bevor er 1921 nach Palästina übersiedelte.

Die Haaretz Druckerei ist ein kleines Gebäude mit einem Obergeschoss. Markant ist das gläserne Treppenhaus und der Balkon mit Reling-Geländer. Das Gebäude hatte früher einen weiteren Baukörper im hinteren Bereich, dieser wurde abgerissen und durch ein höheres Wohngebäude ersetzt. 

Bank of Israel

Das Bürogebäude in dem sich heute das Visitor Center der Bank of Israel befindet wurde 1937 von Dov Kutchinsky errichtet. Der 1883 in Krakau geborene Architekt zog 1920 nach Palästina. Unter der Britischen Besatzung befand sich hier das Steuerbüro, welches 1944 von der jüdischen Untergrundarmee Etzel angegriffen wurde. Das Gebäude wirkt massiv wie ein Bunker, auch die Umfassung der Fensterbänder wirkt grob. Der Nebeneingang wird durch ein abgerundetes Vordach markiert, das an der Fassade zu einem vertikalen Wandelement wird, welches die auskragende Attika durchbricht und überragt.

Moshe Suitsky House

Das Moshe Suitsky House ist ein sehr schönes Beispiel der modernen Architektur in Tel Aviv. Es wurde 1933 von Yaakov Borenstein errichtet. Das Haus befindet sich an einer prominenten Ecke an der 5 Straßen einmünden, darunter auch die Einkaufsstraße Nahalat Binyamin. Daher befindet sich im Erdgeschoss eine Ladenfläche, über der sich eine Bürofläche befindet. Im hinteren Gebäudeteil kommt ein weiteres Stockwerk dazu. Ein umlaufendes Vordach zwischen dem Erdgeschoss und dem 1. Obergeschoss ist das prägende Merkmal des Gebäudes. Es betont die Rundung zum Platz hin und gibt dem Haus eine elegante Leichtigkeit.

Das Moshe Suitsky House wurde 2014 von Ilan Kedar und Haviva Even in einem hellen Gelbton saniert. Das Vordach ist weiß und hebt sich dadurch vom restlichen Gebäude deutlich ab.

Montefiore

Das Wohnhaus in der Montefiore Street wurde zuerst von Yehuda Magidovich geplant aber letztendlich von Isaac Schwarz errichtet. Das genaue Jahr ist nicht bekannt, es wird vermutet, dass das Gebäude zwischen 1932-35 errichtet wurde, da beide Architekten in den 1920er Jahren noch eklektizistische Gebäude entworfen hatten und sich erst ab 1930 in Richtung Art Deco entwickelten.

Das Haus hatte damals ein Erdgeschoss und zwei Obergeschosse. Das Wohnhaus ist lang und schmal, zur Montefiore Straße hat es gerundete Loggien, am anderen Ende (Foto) gerundete Balkone mit Metallgeländern. Das Haus wurde für die Familie Havoinik erbaut aber später als Bürogebäude genutzt.

Bei der Sanierung und Erweiterung von Ammon Bar Or Architekten 2011, wurden 3 Geschosse aufgesetzt.

Karte Süd Tel Aviv Architektur

Hotel Cinema

Der Dizengoff Platz wurde nach der Frau des Bürgermeisters Zina Dizengoff Circle benannt. Es war auch eine Frau, die den städtebaulichen Wettbewerb für den bedeutendsten Platz von Tel Aviv gewann. Die 25-jährige Architektin Genia Averbuch entwarf einen runden Platz mit dreigeschossigen Gebäuden und einheitlichen Fassaden. 

Das bedeutendste Gebäude am Dizengoff Platz ist das Hotel Cinema. Es wurde 1939 als Esther Cinema eröffnet. Der Architekt Jehuda Magidovitch kam 1919 aus der heutigen Ukraine nach Israel und entwickelte erst in Tel Aviv eine moderne Architektursprache. Die Fassaden aller Häuser am Platz wurden nach den Vorgaben von Genia Averbuch gestaltet. 

Das Kino ging Pleite und das Gebäude verfiel, bis es 2001 zu einem Hotel umgebaut wurde. In den ehemaligen Kinosaal wurden Decken eingezogen und Hotelzimmer eingerichtet. Die Deckenhöhe und die Höhe der Balkone passen nicht ganz zusammen, von manchen Zimmern muss man eine Treppe benutzen, um den Balkon zu erreichen. Das ehemalige Foyer des Kinos wird heute als Rezeption genutzt. Auch die Wendeltreppe, die früher zu den Logen führte, blieb erhalten.

King George / Dizengoff

Das Wohnhaus von Ze'ev (Wilhelm) Haller wurde 1936 erbaut. Der Baukörper entlang der King George Street wird durch die versetzt stehenden Balkone in 5 Abschnitte unterteilt. Die abgerundeten Balkone erzeugen zusammen eine Wellenbewegung entlang der Straße. Die Balkone waren früher offen und wurden erst später mit Glaselementen geschlossen. In Frankfurt am Main wurde 1928 die Siedlung Bruchfeldstraße mit einem ähnlichen Konzept errichtet. Da Haller in Darmstadt studiert und in Frankfurt gearbeitet hatte, war ihm die Siedlung von Ernst May sicherlich bekannt. Die Häuser wurden versetzt angeordnet, um eine bessere Belichtung zu erreichen. Im sonnigen Tel Aviv dienen die Balkone eher als Sonnenschutz. Im leicht zurückgesetzten Erdgeschoss befindet sich eine Ladenfläche.

Ben Ami Street

Das Wohnhaus von Joseph Noifeld ist ein langes geschwungenes Gebäude, das im Obergeschoss von einem auskragenden Balkon dominiert wird. Der langgestreckte Gebäudeteil (Foto) befindet sich in der Beilinson Street, hier steht auch das Haoel Theater von Arieh Sharon aus dem Jahr 1939, das die Rundung von Noifeld aufnimmt. Arieh Sharon ist einer der wenigen Architekten in Tel Aviv, die tatsächlich am Bauhaus in Dessau studiert hatten. Das Wohnhaus in der Ben Ami Street wurde 1937 errichtet.

Asia House

Eines der wenigen Bürogebäude im Bauhaus Stil ist das Asia House von Mordechai Ben Horin aus dem Jahr 1979. Das Gebäude besteht aus 5 geschwungenen Fassaden-Bändern aus weißen, glasierten Fliesen. Das Asia House erinnert an das Solomon R. Guggenheim Museum von Frank Lloyd Wright in New York, welches 1959 eröffnet wurde. Die geschwungene Form soll die Wellen im Meer darstellen. Im verglasten Sockelgeschoss befinden sich Geschäfte und Cafes. Im Asia House residieren mehrere Botschaften und das Goethe Institut. Das Asia House ist eines der bekanntesten Bauwerke in Tel Aviv.

Architektur Tel Aviv Karte Nord

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White City

Die "Weiße Stadt" Tel Aviv

Tel Aviv wurde 1909 gegründet, damals wurden die Häuser im eklektizistischen Stil errichtet. Eklektizismus ist eine Mischung verschiedener historischer Baustile.

Wie kam das Bauhaus nach Tel Aviv?

Als das Bauhaus in Dessau 1932 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde, verließen die Bauhaus Lehrer und Studenten Deutschland. Viele emigrierten in die USA oder nach Russland aber gerade die jüdischen Architekten gingen nach Tel Aviv. Hier wurde eine neue Stadt gebaut und man brauchte Architekten. 

Die Architekten Arieh Sharon, Munio Gitai Weintraub, Shmuel Mestechkin und Shlomo Bernstein hatten am Bauhaus in Dessau studiert. Zeev Haller hatte in Darmstadt studiert und kam hier in Kontakt zum Neuen Frankfurt von Ernst May. Nach dem Studium arbeitete er als Bauleiter in Frankfurt am Main.

Die Bauhausarchitektur war ideal für das junge Land, es gab keinen historisierenden Dekor und die Häuser ließen sich schnell und kostengünstig errichten. In Tel Aviv wurde der Bauhausstil an das Klima angepasst. Große Fensterflächen waren bei der Hitze in Palästina ungeeignet. Große Balkone dienten als Schattenspender und wurden zum Markenzeichen der Architektur von Tel Aviv. Die weißen Putzfassaden reflektieren das Sonnenlicht, verschmutzen aber auch sehr schnell im trockenen Wüstenklima. Die salzhaltige Meeresluft führte dazu, dass die Putzträger aus Draht der Balkone schnell korrodierten. 

2003 wurden die Bauhausgebäude von Tel Aviv von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. In der White City gibt es rund 4.000 Gebäude im Bauhaus-Stil, der auch International Style genannt wird.

 

 

 

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